Was mindert die geistige Fitness?

Intelligenzverlauf mit dem Alter
Mentales Fitness-Programm (grün) nutzt Potenziale

 

Die Grafik soll deutlich machen, dass sogar in der zweiten Lebenshälfte durch GEISTIG FIT-Programme erhebliche Anstiege der mentalen Leistungsfähigkeit (und der psychischen Stabilität) zu erwarten sind. Die wissenschaftlichen Studien der letzten Zeit rechtfertigen diese Annahme.  

 

 

Vorbemerkung: Die in der wissenschaftlichen Literatur verfügbaren Daten weisen darauf hin, dass

1)  
das geistige Leistungsvermögen der jungen Bürger in Deutschland seit etwa 1990 nicht mehr wie in den Jahrzehnten zuvor zunimmt* und
2) 
die Fähigkeit neue Probleme zu lösen (fluide Intelligenz) im Mittel ab dem Lebensalter von ungefähr 25 Jahren sinkt.

 

* Die Intelligenz der älteren Bürger nimmt im Vergleich zu der der vorherigen Generationen noch zu. Etwa die Hälfte der heutigen Senioren wäre gegenüber ihren Großeltern geistig hochbegabt. Wenn sich nichts ändert, werden um die Mitte dieses Jahrhunderts die Senioren weniger intelligent als die heutigen sein.

 

 

Zurzeit haben wir die intelligentesten Senioren aller Zeiten

 

 

Es folgen 

 

  1. Geistige Aktivitäten und Hirnfunktionen zusammen berücksichtigen
  2. Was weist auf mehr Potenziale hin?

  3. Typische Situationen, in denen das geistige Leistungsvermögen sinkt

  4. Wie stark sinkt das geistige Leistungsvermögen in mental ungünstigen Situationen? 

  5. Ausgleich für Situationen der geistigen Talfahrt

    

1 Geistige Aktivitäten und Hirnfunktionen zusammen berücksichtigen

Wir nützen unsere individuellen Potenziale nicht voll,                                                        
 

1)  
wenn wir uns geistig einerseits weniger fordern oder andererseits stärker zu fordern versuchen, als es der Funktionsfähigkeit unseres Gehirns entspricht (mentale Fehlforderung) und  
2) 
wenn wir die Funktionsfähigkeit des Gehirns - vor allem in den Gebieten, die den mentalen Leistungen zuzuordnen sind - nicht auf ihr maximal mögliches Niveau bringen. 


 

2 Was weist auf mehr Potenziale hin?

Wo die individuellen Grenzen liegen, wissen wir nicht genau. Wenn jemand geistig leistungsfähiger als zuvor wird, ohne psychisch labil zu werden, kann allerdings erschlossen werden, dass die Grenzen vorher noch nicht erreicht waren.
 

Hinweise auf mentale Fehlforderungen sind Gefühle der Langeweile (Unterforderung) oder das Gefühl, das eigene Tun nicht mehr selbst steuern zu können, keine Kontrolle über die eigenen Tätigkeiten zu haben (Überforderung). Dass das Gehirn nicht voll leistungsfähig war, stellt man zum Beispiel fest, wenn es bei veränderten körperlichen Einflüssen wie einer anderen Ernährung, einem anderen Sauerstoffpartialdruck in der Luft, anders über den Tag verteilten Trinkmengen usw. mehr leistet, sobald unter den neuen Bedingungen also die Reaktionsgeschwindigkeit, das Konzentrations- und Durchhaltevermögen oder die Komplexität des Denkens usw. steigt.

    

3 Typische Situationen, in denen das geistige Leistungsvermögen sinkt

 

Faulenzerurlauberin
Faulenzerurlaub begünstigt Talfahrt des IQ

 

 

1) Faulenzerurlaub, längere Klinikaufenthalte: Beide überschneiden sich oft in ihren geminderten körperlichen und geistigen Anregungen. - Die "Talfahrt des IQ im Krankenhaus" belegt ein Aufsatz aus Psycho (1984). - Mehr Einzelheiten finden Sie auf der Webseite "Urlaub, Ferien & IQ".
 

2) Sommerferien: Je länger die Sommerferien dauern, desto stärker lässt die geistige Leistungsfähigkeit der Schüler nach. In den ersten Wochen des folgenden Schuljahres müssen die Schüler deshalb erst einmal auf das Niveau gebracht werden, das sie vor den Sommerferien hatten. Die ferienbedingte Abnahme der geistigen Fitness wird im englischsprachigen Bereich als "Sommerlernverlust" bezeichnet. Eine kurze Darstellung in GEISTIG FIT geht auf den Stand der Wissenschaften im Jahr 2007 ein und darauf, was in Australien dagegen unternommen wird. Weiteres finden Sie auf der Unterwebseite "Urlaub, Ferien & IQ".  
 

In einer unter GfG-Beteiligung durchgeführten Studie mit Abiturienten während ihrer letzten beiden Schuljahre ließ sich dies Abnahme des geistigen Leistungsvermögens durch die Sommerferien bestätigen.

 

Eine neue Erkenntnis ist, dass sich die Auswirkungen der Ferien bzw. des Urlaubs auf die geistige Leistungsfähigkeit von Jahr zu Jahr verstärken. Das trifft einerseits für die ca. zehn Prozent zu, die diese "schönste" Zeit des Jahres zum Positiven nutzen als auch auf die Personen mit den negativen Folgen. Der Abstand zwischen beiden Gruppen wird deshalb über die Jahre hinweg immer größer. Mehr Details unter "--- Neue Veröffentlichungen" (Punkt 4).   

 

Bettlägrige
Bettlägerig oder gemütlich: geistig weniger anregend

 

3) Bettlägerigkeit: Betroffen sind nicht nur Personen, die dauerhaft liegen müssen, sondern auch solche, die lediglich während einiger Tage oder weniger Wochen in der Bewegung eingeschränkt sind, beispielsweise bei vorübergehenden Erkrankungen oder nach chirurgischen Operationen.  

    

4) Berufliche Tätigkeiten mit geringen geistigen Anforderungen. Das kann durch mental anspruchslose, aber hektische Routine überdeckt werden. In diesem Fall wird man zwar stark gefordert, vielleicht sogar überfordert, jedoch geistig unterfordert. Dies charakterisiert Berufe, die kein hohes Bildungsniveau voraussetzen. 
 

5) Täglich häufige sowie lang anhaltende Fernseh- oder Radioberieselung
 

 

Computernutzung
Lange hinter dem Computerbildschirm

 

6) Häufige, lang anhaltende Computernutzung, die geistig geringe Ansprüche stellt.
 

 

7) Ein Nachlassen von Sinnesleistungen wie z. B. des Sehvermögens bei Linsentrübung (Katarakt = Grauer Star) im späteren Erwachsenenalter
 

8) Ruhestand, wenn dieser Ausdruck wörtlich genommen wird.

 

9) Häufige sowie lang anhaltende Hektik: die typischen Stresssituationen. Sie überfordern sensomotorisch und/oder geistig sowie emotional und immer auch das vegetative Nervensystem.    


4 Wie stark sinkt das geistige Leistungsvermögen in mental ungünstigen Situationen? 

 

MAT-Übung: finden & einkreisen
MAT-Übungen mit überall erhältlichem Material

Das hängt davon ab, welche der Einflussgrößen sich in der neuen Situation zum Nachteil ändern, wie ausgeprägt deren jeweilige Änderungen sind und wie lange sie anhalten. Und schließlich kann noch eine Wechselbezie-

hung zwischen den Änderungen pro Einzelgröße eine zusätzliche Wirkung haben.

 

Für einen Faulenzerurlaub könnte dies konkreter so ablaufen: Man liegt tagsüber stundenlang mit geringen Unterbrechungen dösend am Sandstrand. Dabei mangelt es an geistigen Anregungen, wie sie in der gewohnten Umgebung des Berufs- und Alltagslebens anfallen. Hinzu kommt vielleicht eine relativ starke Austrocknung, weil der Gang zur Bar zu mühsam ist, und ein Mangel an Kohlenhydraten, weil beim Frühstück und Abendessen die fetten Speisen des Gastgeberlands bevorzugt werden, während auf das Mittagessen ohnehin verzichtet wird, da es nicht durch die Halbpension abgedeckt ist.

Zusätzlich geht möglicherweise die Schlafmenge über die für viele Erwachsenen optimalen sechs bis neun Stundenhinaus, weil man ja nichts Besonderes vor hat.

 

Minderungsursachen
Änderungen der Einflussgrößen bestimmen Minderung

Ein anderer Faulenzerurlauber lässt sich vielleicht rundum bedienen, trinkt und isst mehr als ausreichend, döst und schläft aber auch viel wie der Urlauber im vorherigen Beispiel, bewegt sich ebenfalls wenig und unternimmt kaum etwas geistig Anregendes.      

   

WegInsiderkenntnisse13a
Beachten Sie auch "Wichtige Einflussgrößen" im Bild zuvor

Faulenzerurlaube sind in manchen Aspekten individuell und haben doch einen gemeinsamen Kern, der zu raschen und erheblichen geistigen Leistungsminderungen führt. Dieser gemeinsame Kern an typischen Veränderungen ist auch bei Patienten gegeben, die sich stationär im Krankenhaus zur Beobachtung befinden, die aber herumlaufen und Besuche empfangen durften. Was mit ihnen geistig geschieht, ist durch Intelligenztests gemessen worden: Beim Durchschnitt von ihnen fiel der IQ der fluiden Intelligenz pro Tag um etwa 1 Punkt ab. Nach drei Wochen (21 Tagen) lag ihr IQ um 20 Punkte niedriger als bei der Aufnahme. Danach nahm der IQ nicht mehr ab. Offenbar war die tägliche Beanspruchung doch so, dass sich die Intelligenz auf dem nun erreichten Niveau halten konnte.

 

 

Einige Zeit im Krankenhaus
Nur zur Beobachtung: frei beweglich, aber keine Alltagsverpflichtungen

Für die verschiedenen Situationen, die zur geistigen Talfahrt führen, gilt, dass die mentale Leistungsminderung nicht für alle Betroffenen – in IQ-Verlusten ausgedrückt – genau gleich verläuft. Aber es treten unter den oben erörterten Änderungen der Einflussgrößen ausnahmslos Minderungen ein.

   

5 Ausgleich für Situationen der geistigen Talfahrt

Figurenzählen
FIGURENZÄHLEN, ein Übungstyp, nach dem man selbst Übungen entwerfen kann: wie viele Dreiecke?

Nicht nur geistige Unterforderungen, sondern auch Überforderungen - also allgemein Fehlforderungen - senken das geistige Leistungsvermögen; sie führen zur "Verdummung". Fast immer lässt sich einiges dagegen tun. Für die Praxis kommen meist mehrere Maßnahmen in Betracht. Häufig werden tägliche MAT-Übungen und anschließend Aktivitäten im Grenzbereich des geistigen Leistungsvermögens und zusätzlich körperliche Interventionen aus den Bereichen der vier unteren Stufen der SOMECO-Treppe dabei sein. Bei geistigen Überforderungen ist zusätzlich an MRT zu denken. Wer außerdem mehr Kompetenz darin gewinnt, den Arbeitsspeicher zu managen, hat weitere Vorteile. 


Viele Personen gelangen durch ein Arbeitsspeichertraining über das geistige Leistungsniveau hinaus, das sie je zuvor hatten.    

 

Lösung der MAT-Übung: 9 Mal "ei"   

                                                                                                                           17.06.2015